Verständnisse oder Erkenntnisse

Was manche vielleicht über uns denken, oder was wir vielleicht über andere denken würden und was wir einfach mal klarstellen bzw. Teilen wollen:

„Bestimmt sind die sehr reich“

Nein. Noch nicht. Zumindest monetär. Wir haben „nur“ unser Haus verkauft, die Kredite zurück gezahlt und ca. Die Hälfte des Restes für die Reise eingeplant. Wir haben die Autos und unsere Lebensversicherung verkauft und alle Fixkosten (Krankenversicherungen, Sparverträge, etc.) auf ein Minimum reduziert. Und jetzt sind wir unterwegs. Beim unterwegs sein versuchen wir immer zu handeln. Suchen die Unterkünfte übers Internet (Booking, Agoda, Airbnb, TripAdvisor oder Empfehlungen) und rufen dann dort an und fragen nach einem Discount.

Wenn wir die Gelegenheit haben verpflegen wir uns selbst und bei den Aktivitäten schauen wir meistens nach Kosten/Nutzen und handeln.

Außerdem haben wir unseren Zusatz Konsum quasi auf null reduziert. Klamotten kaufen wir nur, wenn mal was kaputt gegangen ist. Spielzeug etc. brauchen wir nicht, bzw. wir nutzen das was wir dabei haben.

Wir versuchen mit einem Tagesbudget von ca. 120 Euro auszukommen.

„Die machen ein Jahr Urlaub“

Das denken unsere Kinder auch.

Mitnichten. Wir reisen. Und das ist oft sehr anstrengend und nervenaufreibend. Wo gehen wir als nächstes hin? Wo übernachten wir? Wie sieht es mit unserem Budget aus? Da geht es, wenn es Probleme gibt, meistens sofort um existenzielle Dinge: wo übernachten und wo bzw. was essen wir, wo ist es sauber, gut und sicher. Und dabei noch einige sprachliche und kulturelle Unterschiede, Kinder die beschäftigt oder mit einbezogen werden wollen, die die deutsche Übersetzung hören möchten, die keine Lust haben was in Mathe zu machen oder sich gerade streiten. Das bringt uns ganz oft an unsere Grenzen und manchmal auch darüber hinaus.

„Die haben keinen Stress, weil sie nicht arbeiten“

Ehrlich: an manchen Tagen würden wir sehr gerne was arbeiten. Einen vorgegebenen Tagesablauf haben. Mit festem Einkommen. Das ist das was wir in Deutschland von klein auf gelernt haben: „Schaff was, dann bist Du was.“ Wir haben also ziemlich oft Stress weil wir grad nichts arbeiten! Aaarrrgghhh

Wenn diese große Ablenkung weg ist, gibt es eine große Leere. Ein Gefühl von „nicht genug sein“. Das Gefühl gab es zwar schon vorher in uns, da hat aber der Kopf gesagt: „nie im Leben, Du hast heute 10 Stunden im Büro gesessen und Geld verdient, also alles gut.“

Jetzt heißt es sich dieser Leere zu stellen, sie nicht zu überdecken, sondern zu fühlen und dann zu entdecken: ich bin gut so wie ich bin und ich mag mich und mein Leben so wie es grad ist. Die große Herausforderung. Und im Vertrauen bleiben, dass zum richtigen Zeitpunkt das passende kommt. JETZT

„Ein Traumpaar“

wir sind seit fast 22 Jahren zusammen. Hatten Krisen und Dramen. Wir zoffen uns und an manchen Tagen kommt es uns so vor als ob der andere vom anderen Stern ist. Bevor wir gestartet sind, hat uns unser Paartherapeut geraten, erst noch einige male zu ihm zu kommen, bevor es los geht. Wir sind trotzdem los gefahren. Zum Glück.

„Immer wo anders zu wohnen ist bestimmt toll“

Die Besteckschublade der ersten Wohnung in Bangkok

Ja manchmal ist es toll. Wenn wir auf Anhieb eine schöne Bleibe finden. Die gut für unser Budget ist, in der wir uns daheim fühlen.

Oft ist es so, dass es erst mal die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen ist. Auf Bildern und in den Feedbacks im Internet sieht alles toll aus bzw. hört sich gut an und wenn wir dann ankommen, fragen wir uns, wie so was zustande kommt. Einmal sind wir direkt wieder ausgezogen oder wir bleiben eine Nacht und suchen uns dann was neues. Oder wir haben die Gelegenheit, sind rechtzeitig da und es gibt mehrere Optionen.

Am besten ist es, wenn wir länger irgendwo sind. Dann können wir wirklich ankommen, Sport machen, was schreiben, Kontakte knüpfen, Musik machen, eintauchen, etc.

„Alle sind immer glücklich“

Nö. Es gibt Konflikte, Streit und Tränen. Und zusätzlich noch Heimweh. In den Momenten wird nur meistens nicht fotografiert, weil wir genug mit uns zu tun haben oder der fotografierte ausflippt, wenn er (oder sie :-)) den Foto nur sieht. Das besondere: wir haben „nur“ uns und „müssen“ das unter uns klären. Es gibt keine großen „Ablenkungen“ wie Arbeit, Schule, Omas und Freunde. So wird ein bisschen mehr nachgefragt, in den andern eingefühlt, „Tut mir leid“ gesagt, umarmt und geküsst.

Kompliziert?

Eigentlich wissen wir gar nich ob das jemand über uns denkt, wahrscheinlich ist es das was wir über andere denken würden und dann ist es das was wir eigentlich über uns selbst denken. Und wenn das so ist, dann schaffen wir uns das alles selbst. Jetzt haben wir sogar das schon mal gelernt; das schöne am Schreiben und Aufschreiben und dem Prozess drum rum ist, das wir es sehen können und es akzeptieren lernen. Und vielleicht darf es sich allein durch das Erkennen und Akzeptieren ändern.

Fortsetzung folgt? (vielleicht!) 🙂

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